Selbstabwertung


Leider das Hobby so vieler Menschen. Auch ich schlucke oft die bittere Pille meiner Gedankenwelt.



Manchmal finde ich mich einfach hässlich. Manchmal finde ich mich einfach blöd. Ziemlich oft, finde ich mich dick. Untalentiert? Jedes Mal wenn ich den Mund aufmache und singe. Ich kann nicht anders. Da ist diese Stimme in meinem Kopf, die sagt, dass ich nicht gut bin. Sie sagt mir, dass es andere besser machen können. Sie stutzt mir die Flügel, damit ich bloß auf dem Boden bleibe. Sie hält mich klein, damit ich nicht eingebildet werde. Wie oft sehe ich mich an und lasse in Gedanken einen fiesen, negativen Kommentar auf mich ab? Ihr würdet euch wundern. Fast täglich mache ich mir Gedanken, möchte gefallen und mache mich fertig.



Wer kennt das nicht?

Wenn ich darüber nachdenke, wann das alles angefangen hat, dann denke ich an die (frühe) Schulzeit. Mein Leben lang wurde mir von Lehren entgegen geschleudert:


"Du bist nicht so gut, wie du denkst! Du überschätzt dich! Du bringst schwächere Leistung, als du glaubst!"

Ich lernte, dass alles, was ich mir in starken Momenten als Talent, Wissen oder Können zugestand, eine Lüge war! Dass ich es mir einbildete. Als ich von der Grundschule auf das Gymnasium wechselte, wurde ich gemobbt. Jeder, dem ich das heute erzähle, möchte mir gar nicht glauben, aber ich war ein kleines, pummeliges Mädchen, mit mittelguten bis schwachen Noten und vielen Unsicherheiten. Die Pubertät schlug ein und das Bewusstsein, sich in eine Gruppe integrieren zu wollen, stieg auf drölftausend Prozent.



Meine schlimmbeste Erinnerung



Warten auf den Sportlehrer vor der Turnhalle. Einige Jungs stehen schon vor der Tür und sehen mich näher kommen. Sie tun so, als würden meine Schritte kleine bis mittelschwere Erdbeben auslösen, werfen sich auf den Boden und schreien. Autsch.

Ich bin sicher, jeder von euch hat so eine ähnliche Erfahrung gemacht, weil Kids einfach fies sein können.


Aber niemand hat mir damals gesagt, dass das Verhalten der anderen Schüler ALLES mit ihnen zu tun hatte und NICHTS mit mir.



Was ich mitnahm war ein ungesundes Verhältnis zu meinem Köper und das zwanghafte Bedürfnis zu gefallen. Ich hatte keine Meinung, ich hatte keine Stimme, ich wurde Meisterin im Integrieren. Eines Tages wachte ich mit Anfang 20 auf und hatte KEINE AHNUNG wer ich war. Was möchte ich. Worauf hatte ich Lust. Was war mir wichtig? Und so machte ich mich auf die Suche.

Seit dem ist viel passiert und ich weiß, dass ich viel geschafft habe. Und trotzdem muss ich mich immer wieder innerlich schütteln, wenn ich in alte Muster falle.

Kommt euch das bekannt vor? Ich bin mir fast sicher.



Was kann man also tun?


Atmet tief durch!

Widersprecht euch gedanklich aktiv, wenn selbstabwertende Gedanken aufkommen!

Seid so für euch da, wie ihr für eure*n engste*n Freund*innen da seid!


Beispiele für selbstabwertende Gedanken aus dem Alltag:

"War ja klar, dass mir das passiert."

„Dafür bin ich zu dumm!“

"Sag mal, was kann ich eigentlich?"

"Was stimmt nicht mit mir?"

"Das kann ich mir mit diesem Körper nicht leisten."

"Gute Dinge passieren sowieso nur anderen."

"Ich habe sowas einfach nicht verdient."

Seid geduldig mit euch. Ihr habt so viel im Kopf und manchmal fällt etwas durch das Gedankennetz. Anderen fällt auch mal ein Glas runter, vertüddeln den Geburtstag der Kollegin oder fallen in ein Loch. Da ist so viel Stress und so viel Konfliktpotenzial in unserem Leben.

Wir müssen uns unterstützen!

Wir müssen Geduld für uns haben, so wie wir Geduld mit unserem Umfeld haben.

Wir müssen uns lieben.


Denn wenn unsere Freunde uns nicht die Liebe und Aufmerksamkeit schenken können, die wir gerade brauchen, muss das kein Problem darstellen. Da ist schließlich jemand, der immer Zeit für dich schaffen kann - und das bist Du! Lasst uns unser bester Freund sein!



Jetzt aber!



Wir machen uns ab sofort das Leben weniger zur Hölle! Deal?

Keine Bestrafungen mehr, weil man ein zweites Stück Kuchen gegessen hat. Keine übersteigerte Selbstkritik, wenn wir Fehler machen. Nur weil „Aus Fehlern lernt man.“ als Mantra ausgelutscht ist, macht es das nicht weniger wahr, oder?

Gerade wenn es in eurem Leben mal schief, krumm oder kunterbunt läuft, sorgt dafür, dass es in eurem Inneren umso schöner wirbelt, flattert und summt.



Lasst uns bedingungslos für uns da sein.

Lasst uns Selbstliebe und Selbstmitgefühl üben.



Ihr seid nicht allein. :)




226 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Achtsamkeitstrends